Seit 75 Jahren Schützenverein Barsinghausen von 1901
Zu einem Gruppenfoto stellten sich die für ihre Treue geehrten Mitglieder des Schützenvereins von 1901.
Fotos Jürgens
|
| Eine Woche vor dem großen zehnten gemeinsamen Schützenfest in Barsinghausen bestand für den Schützenverein von 1901 ausreichend Grund genug schon vorab ein festliches Beisammensein zu veranstalten. Schließlich galt es den 75. Geburtstag des Vereins festlich zu begehen. Seit einem dreiviertel Jahrhundert gehen die Schützen von Barsinghausen nun ihrem Sport nach, der im Laufe der Jahre mehr Freunde gefunden hat. Im Schützenhaus 'Ritzenburger Höhe' - festlich geschmückt mit neuen in grün gehaltenen | Gardinen und Bühnenvorhang - gab der Schützenverein von 01 aus Anlaß des 75jährigen Bestehens einen Empfang. Bürgermeister Walter Theil und Stadtdirektor Heinz Hille waren der Einladung ebenso gefolgt wie die Vereinsvorsitzenden sowie Geschäftspartner des Vereins. Beladen mit Geschenken für den Jubiläumsverein kamen die vielen Gäste zum Empfang, wobei sie durch die schmissige Musik des Musikclubs 'Deisterrose' aus Kirchdorf begrüßt wurden. |
|
Vorsitzender Gerhard Frehe, der die Gäste willkommen hieß stellte den Vizepräsidenten des
Deutschen Schützenbundes, Dr. Wilkens-Sannemann, als Festredner vor. Dr. Wilkens-Sannemann sprach die
Schützenbewegung im allgemeinen an, ging auf die Geschichte von 01 ein und appellierte schließlich die Jugend
zu fördern, um den Schützennachwuchs zu gewährleisten.
Ein Verein mit 75 Jahren Geschichte hat natürlich auch viele treue Mitglieder. Sie erhielten zum Jubiläum Treueehrennadeln: Seit 50 Jahren gehört Wilhelm Behrens dem Verein an, Herbert Meyer und Georg Waßmann sind seit 40 Jahren dabei. Auf 25 Jahre Mitgliedschaft können zurückblicken Erich Fischer, Werner Dannenberg, Friedrich Meyer, Georg Hernandez, Fritz Borchers, Karl-Heinz Rohrßen, Horst Hengstmann, Friedrich Scheele, Wilhelm Borges, Gerhard Frehe, Heinrich Waßmann, Wilhelm Börke, Heino Voges und Karl-Heinz Wolf. Seit 15 Jahren sind dabei Hans Gerd Struß, Helmut Thielsch, Hans Günther Schoof, Walter Röhler, Günther Lindner, Hermann Waßmann, Günther Utecht und Helmut Waßmann. 75 Jahre Vereinsgeschichte ist sicherlich Grund genug ein wenig in der Schützenchronik von 01 zu blättern. Interessante, zum Teil schon längst vergessene Ereignisse werden dadurch in Erinnerung gerufen: Als um die Jahrhundertwende der Wunsch laut wurde, einen Schützenverein ins Leben zu rufen, trafen sich am 22. März 1901 in der Gastwirtschaft Fritz Behrens am Osterbrink |
folgende schießsportfreudige Männer zu einer Aussprache: Carl Pförtner, Georg Münstermann, August Ehlers, Fritz Struß, Fritz Kleine, Ludwig Böhme, August Gehrke, Heinrich Pape, August Hecht, Carl Grunow und Wilhelm Börke. Sie beschlossen - falls die Genehmigung erteilt würde - die Gründung eines Schützenvereins und wählten ihren ersten vorläufigen Vorstand in folgender Besetzung: 1. Vorsitzender: Carl Pförtner, 2. Vorsitzender: Fritz Kleine, Kassierer: Georg Münstermann, Schriftführer: August Ehlers. Nachdem die von dem Schriftführer ausgearbeitete Satzung dem Landratsamt vorgelegt und gebilligt worden war, wurde der 1. Juni 1901 als Gründungstag festgelegt. Damit war in Barsinghausen der erste Schützenverein geschaffen. Es fehlte jedoch noch an den elementarsten Dingen, die für die Ausführung eines geregelten Schießbetriebs erforderlich sind: nämlich an einem Schießstand, an Gewehren und Munition. Doch der kleine Kreis jener, der in grenzenloser Begeisterung sich dem Schießsport verschrieben hatte, der in treuer Kameradschaft vereint und manchmal selbst unter Aufbringung größter persönlicher Opfer an der Wiege des Schießsports in Barsinghausen Pate gestanden hat, nahm sich dieser Aufgabe freudig an. Zunächst mußte an das Schießstandgelände gedacht werden. Hierfür boten sich die alten Sandsteinbrüche von selbst an, die, nachdem die Sandsteinindustrie vor etwa 200 Jahren in hoher Blüte gestanden hatte, ausgebeutet und stillgelegt waren. Gastwirt Fritz Behrens erklärte sich bereit, die Kosten für den Bau zu übernehmen. | er stellte jedoch die bedingung, daß sein lokal als vereinslokal zu bestimmen sei und vor ablauf von 20 jahren nicht gewechselt werden dürfe. diese bedingungen wurden angenommen. das vereinslokal erhielt von nun an den namen 'zum schützenhof'. nachdem die verhandlungen mit den zuständigen stellen erfolgreich abgeschlossen waren, konnte am 25. mai 1902 mit dem bau des standes begonnen werden. die arbeiten schritten wider aller erwarten so schnell voran, daß bereits am 06. juni 1902 in den brüchen an der 'ritzenburger höhe' die ersten schüsse widerhallten. es wurde mit einem vorderladegewehr geschossen und vom ersten tage an waltete heinrich pape als lademeister seines amtes. das schießen selbst war für die heutigen begriffe zwar umständlich und zeitraubend, aber das hielt die mitglieder nicht ab, ihrem sport zu huldigen. so wurde schon am 1. oktober 1902 zum ersten male um die königswürde im verein geschossen. am 22. februar 1903 wurde zur ersten jahreshauptversammlung einberufen und über die bisher geleistete arbeit bericht erstattet. damit legte der vorläufige vorstand seine ämter nieder. die versammlung wählte nun den endgültig amtierenden vorstand, der sich folgendermaßen zusammensetzte: 1. vorsitzender: wilhelm börke, 2. vorsitzender: fritz kleine, kassierer: fritz mensing, schriftführer: august ehlers, waffenmeister: heinrich pape. |
Ein Foto aus den Gründertagen des Schützenvereins von 01 |
|
Da es sich erwiesen hatte, daß der Einkauf von Munition für die Scheibenbüchse zu teuer war, wurde der Waffenmeister
beauftragt, die Patronen selbst herzustellen. Er erhielt dafür eine Vergütung von 1 Pfenning je Patrone, Blei wurde ihm
vom Verein geliefert. Weiter wurde beschlossen, jedem Schützenbruder die Anschaffung einer Uniform, bestehend aus
grüner Joppe, schwarzer Hose, weißen Handschuhen und einem Schützenhut, der mit einer Auerhahnfeder zu schmücken war,
zur Pflicht zu machen. Schon im Sommer des gleichen Jahres konnte der Verein in dieser schmucken Uniform in Barsinghausen
beim Gauturnfest öffentlich auftreten. Bei solchen Anlässen fehlte dem Verein jedoch als Sinnbild der Zusammengehörigkeit
die Vereinsfahne. Einmütig erkannte die Versammlung ihre Notwendigkeit und bewilligte für ihre Anschaffung 150 Mark. Der
Kaufpreis stellte sich jedoch auf 200 Mark, und alle Mitglieder hafteten für diesen Betrag. Die Angaben '1901-1905' in
der Fahneninschrift geben das Gründungsjahr des Vereins und das Anschaffungsjahr der Fahne an. Am 25. Juni 1905 fand in
feierlichem Rahmen in Anwesenheit zahlreicher Ehrenjungfrauen die Fahnenweihe statt. Weitere Schützenvereine wurden
gegründet, doch erhalten blieb neben 01 nur noch die Schützengesellschaft von 1905. Vom 25. bis 27. Juni 1905 wurde das
erste öffentliche, gemeinsame Schützenfest gefeiert.
Der erste Weltkrieg gebot der positiven Entwicklung Einhalt. Während der Kriegsjahre ruhte der Schießbetrieb völlig und nach dem Kriege wurde er von den Besatzungsmächen verboten. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre des ersten Weltkrieges mit der Inflationszeit hatten eine schmerzliche Lücke in die Vereinsgeschichte geschlagen. Die Schießstandanlage war völlig zerstört, die Waffen hatten abgegeben werden müssen und die Vereinsmitglieder hatten in dieser schweren Zeit mit sich selbst genug Sorgen und dadurch jede Bindung untereinander verloren. Erst sieben Jahre nach Beendigung des Krieges fanden sich ein paar alte Vereinsmitglieder erneut zusammen. Am 22. November 1925 trafen sich die Schützenbrüder: August Gehrke, Fritz Scheibe, Heinrich Dunse, Heinrich Mathies, Fritz Behrens, Hermann Gärtner, Fritz Struß, Heinrich Wiedenroth, Wilhelm Behrens, Fritz Kurre, Karl Börke, Georg Meyer und Fritz Wildhagen und stellten sich die Aufgabe, bei den früheren Mitgliedern zu werben und den Verein wieder zu neuem Leben zu erwecken. Ihr Bestreben war von Erfolg. Viele Veranstaltungen folgten, die Disziplinen im Schießsport wurden verbessert, was alles ausführlich in der Vereinschronik nachzulesen ist. 1939 wurde die Ausrichtung des Kreisschützenfestes |
für den Unterkreis Deister-Leine am 1. und 2. Pfingsttag den
schießsporttreibenden Vereinen Barsinghausens gemeinsam übertragen. Die Gemeindeverwaltung stiftete hierzu zwei Wanderpreise,
die in Zukunft bei den in Frage kommenden Vereinen zu den begehrtesten zählen sollten. Es waren dies zwei bronzene
Bergmänner, von deren der größere von den hiesigen und der kleinere von allen schießsporttreibenden Vereinen des Landkreises
ausgeschossen werden sollte. Endgültig sind sie jetzt im Besitz des Schützenvereins von 1901.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges gebot der blühenden Entwicklung jäh Einhalt. Des 40jährigen Bestehens gedacht man in Anbetracht der mit der Kriegslage gegebenen Umstände in kleinem, feierlichen Rahmen im Vereinslokal. Mit Beendigung des 2. Weltkrieges wurde das Vereinsleben zum zweiten Male unterbrochen. In dieser Zeit bewies sich, wie tief die Vereinsverbundenheit wurzelte. Für den allgemeinen Sportverkehr trat schon nach Monaten eine Lockerung der Bestimmungen ein und gestattete dieser und jener Sportart die Ausübung. Der Schießsport mußte auf diese Genehmigung Jahre warten. Daß in dieser Wartezeit der Verein nicht auseinanderfiel, ist neben dem Geist, der alle Vereinsmitglieder beseelte, insbesondere das Verdienst der Schützenbrüder Heinrich Struß, Richard Struß, Herbert Meyer und Heinrich Senne. Obwohl der Verein durch die Militärregierung aufgelöst war, sorgten sie durch gesellige Veranstaltungen dafür, daß die Fühlungsnahme unter den Mitgliedern aufrecht erhalten blieb. Da 1947 diese Zusammenkünfte nicht weiterhin unter dem Namen des Schützenvereins abgehalten werden durften, entschloß man sich in einer geheimen Besprechung am 6. Dezember im Vereinslokal bei Walter Köller, aus dem Schützenverein einen Wanderverein zu gründen. Entsprechend der aufgezwungenen Ruhe der Abzugshähne an Büchsen und Gewehren gab man dem Wanderverein den Namen 'Hahn in Ruh' Am 26. März 1949 wurde bei Daniel Volker ein Frühlingsfest gefeiert. Dabei überreichten die Damen des Vereins ein Tischbanner, das auf der einen Seite einen balzenden Auerhahn und auf der anderen Seite die Worte 'Hahn in Ruh' zeigt. Eine echte Überraschung und ein Stück Vereinsgeschichte! 1950 wurde für die Schützen von besonderer Bedeutung. Nachdem auf Bundesebene die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Schießsports ausgehandelt war, erwirkten am 24. Juli Herbert Meyer und Heinrich Struß bei Gauschützenführer Hermann Wüstehoff, Hannover, auch für 01 die Erlaubnis. Nach Verhandlungen mit Vertretern der Genossenschaftsforst und dem Steinbruchpächter Nickel konnten die Wanderfreunde am 6 August zum Eröffnungsschießen mit Luftbüchse eingeladen werden. Von diesem Tage an führte der Verein wieder seinen alten Namen 'Schützenverein Barsinghausen von 1901'.
|
Mit dem Bau des Schützenhauses wurde begonnen. Als am 14. April der Grundstein gelegt war, konnte es berits am 4. August
eingeweiht werden. Etwa 40 Schießbrüder hatten in 1362 Arbeitsstunden zum Gelingen dieses Werkes beigetragen.
Erstmalig im Jahre 1952 traten auch die Jungschützen und die Damenabteilun aktiv auf. Da die Räumlichkeiten im Schützenhaus zu eng geworden waren, wurde 1954 mit der Erweiterung begonnen. Aber auch die sportlichen Erfolge fanden große Ausdehnung. In all den vergangenen Jahren zeigten die Mitglieder großes schießsportliches Können. Die vielen gewonnenen Pokale und Trophäen zeugen davon eindrucksvoll. Die Mitgliederzahl wuchs, ebenso das Raumproblem. Aber ständige Erweiterung der Anlagen half räumliche Probleme zu lösen, so daß der Verein über mustergültige Anlagen an der Ritzenburger Höhe verfügt. Die Vereinsleitung liegt heute in den Händen von Gerhard Frehe.
Wollte man bei diesem Rückblick auf die Geschichte des 'Schützenvereins Barsinghausen von 1901 e.V.' die Damen-Abteilung unberücksichtigt lassen, hieße das nicht nur, ihnen gegenüber ungalant zu handeln, sondern man ließe ein wesentliches Stück Vereinsgeschichte aus. Schon zu der Zeit, als noch niemand überhaupt an eine Damen-Abteilung dachte, trafen sich die Frauen der Mitgleider auf dem Schießstand auf der Ritzenburger Höhe zum Kaffeeklatsch oder begleitete die Männer zu den Wettkämpfen. Auch an den Übungsabenden im Luftgewehrschießen der Männer kam es immer häufiger zu Zusammenkünften der Frauen. Aber trotz aller Widerstände ist die Damen-Abteilung im Januar 1956 als erste des Kreisverbandes Deister-Leine offiziell ins Leben gerufen worden. Sie stellt jetzt innerhalb des Vereins eine selbständige Abteilung dar und führt ihre Belange selbst. Zu ihrer Ehre muß gesagt werden, daß sie sich aus eigenen Mitteln schon nach kurzer Zeit zwei eigene Luftgewehre angeschafft hat und aus ihren Beiträgen an die Vereinskasse einen Zuschuß für die Unterhaltung der Schießstände zahlt. Schnell stellten sich auch die sportlichen Erfolge ein, so daß jetzt auch jährlich die Schützenkönigin ausgeschossen wird. In diesem Jahr wurde es Lilo Schwark.
H.J.J.
|
Aktualisiert: 04.09.2002