Calenberger Zeitung vom 19. November 2001

"Ängste und Sorgen der jungen Generation ernst nehmen"


Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Mit Kranzniederlegungen am Volkstrauertag haben die Bürger in allen Barsinghäser Ortsteilen gestern der Toten der beiden Weltkriege und der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Während der Gedenkfeier am Ehrenmal in Barsinghausen äußerten sich Jugendliche anlässlich der New Yorker Attentate und ihrer weit reichenden Folgen besorgt über die Zukunft.

"Herr, gib uns Frieden", erbat denn auch die Vereinigte Sängerschaft von 1848/1945 in einem Lied, bevor Bürgermeister Klaus-Detlef Richter in seiner Ansprache betonte, dass nun zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder die Möglichkeit einer direkten Teilnahme deutscher Soldaten an kriegerischen Auseinandersetzungen bestehe. Dies beträfe vor allem die Jugend, die den Krieg bisher ja nur aus dem Fernsehen kenne.

Deshalb habe er schon im Vorfeld einige Barsinghäuser Jugendliche gebeten, sich Gedanken über das Thema zu machen. Den anwesenden Bürgern legte Richter dabei nahe, die Ängste und Sorgen der nachfolgenden Generationen ernst zu nehmen.

Die Schüler bemerkten denn auch, dass der Volkstrauertag für sie bisher keine rechte Bedeutung gehabt habe, denn es habe ja seit 56 Jahren in Deutschland keinen Krieg mehr gegeben.

"Der Krieg gehört zu unserem Alltags-Medienkonsum", unterstrich Jenna, ein persönlicher Bezug liege aber fern. Durch die Sfor- und Kfor-Einsätze und besonders seit dem Bundestagsbeschluss vom vergangenen Freitag rücke der Krieg aber wieder näher, fürchtet sie. Franziska ergänste: "Seit den Attentaten in New York empfinden wir Angst und Trauer".

Jennas Mitschüler Alexander macht Krieg ebenfalls Angst. "Krieg trifft Menschen und bedeutet unvorstellbares Leid für alle Betroffenen" betonte er. Dadurch bekomme der Krieg einen persönlichen Bezug. Ob denn Krieg überhaupt notwendig sei, ob es keine anderen Mittel gebe, um Frieden zu schaffen, fragten sich Jenna und Alexander. Eine schwierige Frage, auf die sie selbst auch keine schlüssige Antwort wussten. Der Volkstrauertag könne aber dazu anregen, einmal darüber nachzudenken, "was jeder Einzelne für ein friedliches Zusammenleben tun kann", meinte Alexander.

"Zum friedlichen Umgang miteinander gibt es keine Alternative", fand auch Dorothee. Und Lena stellte klar: "Wir fordern von den Erwachsenen, dass sie uns ein Vorbild an friedfertigen und gewaltfreiem Umgang miteinander sind."

Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehr, des Roten Kreuzes, des Bergmannsvereins "Glück-Auf", der Deister-Freilicht-Bühne, des Verbandes der Heimkehrer, des TSV Barsinghausen, des Barsinghäuser Schützenvereins von 1901 sowie des Ortsverbandes vom Sozialverband Deutschland legten schliesslich Kränze am Barsinghäuser Ehrenmal nieder. Mit der Nationalhymne, gespielt vom Feuerwehrmusikzug Barsinghausen, klang die Gednekstunde aus.

 pl


Volkstrauertag: Ehrenmal am Waldhof
Volkstrauertag:
Abordnungen Barsinghäuser Vereine legten Kränze
am Ehrenmal am Waldhof nieder. (Foto: Plathner)

 

Aktualisiert:  19.11.2001