Schützenverein Barsinghausen von 1901
VM Vorderlader-Kurzwaffen 2008

 
 

Bilder von unserer Vorderlader-Vereinsmeisterschaft 2008

Beim Schießen mit Vorderlader-Waffen müssen alle Komponenten einzeln vom Schützen in die Waffe geladen werden! Die, bei "modernen" Waffen, üblichen Patronen enthalten wie diese Vorderlader ein Zündmittel (Zündhütchen), Pulver und ein Blei-Geschoss (eventuell mit einem Tomback-Blech oder -bei Vorderladern- einem Baumwollplättchen umhüllt).
Zur einfacheren Handhabung und zum schnellen Nachladen der Waffe werden heutzutage alle Komponenten von einer Messinghülse zusammen gehalten. Das ist dann die Patrone!


 

Hier ist eine Vorderlader-Steinschloßpistole Modell "Le Page" zu sehen. Oben der Ladestock, der zum Reinigen der Waffen ebenso wie zum Herunterstoßen der Kugel verwendet wird.
In den beiden Glasröhrchen befindet sich das Schwarzpulver, jeweils bereits genau für einen Schuß abgemessen.
Als Geschoß wird eine Blei-Rundkugel verwendet, die in einem Baumwoll-Plättchen (Patch) umwickelt in den Lauf bis auf das Pulver geschoben wird.
In der kleinen Pulverflasche befindet sich ebenfalls (ganz feinkörniges) Schwarzpulver, welches unmittelbar vor dem Schuß auf die Pulverpfanne der Waffe gestreut wird.

Der Ablauf: Beim Auslösen schlägt der Hahn mit dem Feuerstein gegen die Abdeckung der Pulverpfanne. Dadurch sollen Funken entstehen, die auf das "Zündkraut" genannte, feinkörnige Schwarzpulver fällt und dieses dadurch entzündet. Die so entstandene Flamme brennt nun (mit einer Geschwindigkeit von rund 600 Meter pro Sekunde) durch ein kleines, seitlich im Lauf befindliches Loch in die Pulverkammer des Laufes und entzündet nun das dort positionierte Schwarzpulver. Die dabei entstehenden Gase treiben die Bleikugel durch den Lauf. Sobald die Kugel den Lauf verlassen hat, trennt sich das Baumwoll-Plättchen durch den Luftstrom von der Kugel und flattert zu Boden.

Allein diese Schilderung läßt erahnen, daß eine Steinschloßpistole

  1. nicht immer gleich beim ersten Versuch zündet
  2. bei feuchtem oder sogar nassem Zündkraut nicht mehr zündet
  3. eine größere Verzögerung hat
  4. eine längere Ladezeit hat und
  5. aber durch das Zündfeuer spektakulär aussieht.


 

Die Weiterentwicklung: Eine Zündung durch kleine Kupferkapseln, gefüllt mit einem schlagempfindlichen Stoff. Dieses Zündhütchen wird auf einen "Piston" gesteckt, der wiederum durch ein kleines Loch mit der Pulverkammer des Laufes verbunden ist.
Der Abzug läßt den Hahn auf das Zündhütchen schlagen, die Zündflamme entzündet das Schwarzpulver im Lauf... der restliche Ablauf ist bereits bekannt.

Die Vorteile gegenüber einer Steinschloßpistole:

  1. schnellere Schußentwicklung
  2. unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Nässe
  3. schnellere Ladezeit
  4. Lage unempfindlich: schießt in jeder Position

 

Viel Zubehör ist für das Schießen mit diesen altertümlichen Waffen notwendig! Und die Lade-Reihenfolge darf auch bei großem Streß nicht verwechselt werden:

  1. immer erst das Pulver in den Lauf kippen
  2. danach kommt die Kugel mit dem Baumwollpatch auf die Laufmündung
  3. ein kurzer, knackiger Schlag mit dem Gummihammer befördert das Geschoss in den Lauf.
  4. diese Kombination wird dann mit dem Ladestock in den Lauf geschoben.
  5. danach kommt das Zündhütchen auf das Piston


 
Rudolf Faust mit der Vorderlader-Perkussionspistole

Obwohl die meisten Vorderladerwaffen neuzeitliche Nachbauten sind, entsprechen sie dennoch einem Original-Vorbild aus dem 18. Jahrhundert bis auf die letzte Schraube.


 

Trotz aller Handicaps lassen sich mit diesen Waffen auch gute Schußbilder erzielen (von den drei obigen "Ausreissern" mal abgesehen).
Hier die Scheibe von Karl-Heinz Witt, beschossen mit der Perkussionspistole.


 

Ein Perkussionsrevolver entspricht einer Vorderlader-Perkussionspistole, aus der "auf Vorrat" 6 Kammern geladen werden können. Zwischen Kugel und Pulver wird mit Hartweizengrieß oder einem Filzpfropfen sichergestellt, daß die Kugel nicht zu tief in der Trommelkammer gesetzt wird. Jede Trommel-Kammer wird dann durch einen Ring aus Fett (oder z.B. Nivea-Creme) verschlossen. Damit kann sich kein Funke an der Kugel der Nachbar-Kammer vorbei mogeln und dort das Pulver entzünden. Es könnte sonst zu Parallel-Zünden mehrerer Pulverkammern kommen.


 

Wolfgang Stützer mit dem Vorderlader-Revolver im Anschlag.
Das Fernrohr dient nur zur Beobachtung des Treffers nach dem Schuß! Durch die Beobachtung jedes Treffers können Abweichungen im Trefferbild rechtzeitig erkannt und durch Änderungen des Zielpunktes ausgeglichen werden.


 
Wie immer wacht unser 1. Schießsportleiter Guido Ramhorst über uns.

Wie immer wacht unser 1. Schießsportleiter Guido Ramhorst über uns. Er sorgt, hinter einer Glasscheibe gegen den Lärm geschützt, für einen korrekten Wettkampf gemäß der Sportordnung des DSB und des Waffengesetzes. Nebenbei sorgt Guido auch für eine gute Stimmung im Verein und unter den Schützen.


 

Aktualisiert: 21.10.2008